Fit mit Robotern und Smartphone: Schüler schulen Erwachsene in neuen Medien

Kooperation zwischen Initiative 55 plus-minus und NAOS Nastätten geht weiter: Programmieren und Handy-Führerschein

 NASTÄTTEN/RHEIN-LAHN. (12. Juli 2019) Paul und Brunhilde Michel aus Lautert freuen sich schon darauf, wenn die Ferien endlich vorbei sind. Die Beiden sind wissbegierige Schüler eines ganz besonderen Projektes der Initiative 55 plus-minus im evangelischen Dekanat Nassauer Land. Das macht in der Nikolaus-August-Otto-Schule (NAOS) in Nastätten aus Senioren Lernende, die von jungen Schülern für einen „Handy-Führerschein“ unterrichtet werden. Nach den Sommerferien beginnt die nächste Saison, um im Umgang mit dem Smartphone und anderen modernen Medien noch vertrauter zu werden.

Michels haben viele Freunde im Ausland. Da ist der Umgang mit SMS, MMS oder WhatsApp sehr hilfreich, um mal schnell einen Gruß und Nachrichten zu versenden. Neben dem Ehepaar hat ein Dutzend anderer Senioren das Angebot der Initiative im vergangenen Schuljahr acht Mal besucht und sich im Umgang mit der handlichen Kommunikationstechnik von Schülerinnen und Schülern unterrichten lassen. Für die gehört der Umgang mit modernen Medien zum wöchentlichen Ganztagsprogramm und ist eine willkommene Abwechslung. Das spüren die Senioren. „Sie sind einfach unheimlich freundlich“, freut sich Hannelore Salziger auf jedes der Treffen. „Ich will unbedingt weitermachen“, fiebert sie bereits dem Ferienende entgegen. Ihr eigenes Enkelkind hätte zwar sicher ebenfalls den ein oder anderen Tipp für sie parat. „Aber dazu ist die Entfernung einfach zu groß.“ Die wird jetzt öfter mal mit einer Nachricht von Oma aufs Smartphone überrascht.

 „Das ist auch für die Schüler eine wertvolle Erfahrung, Schule einmal anders zu erleben“, sagt Matthias Wagner, stellvertretender Schulleiter der NAOS. „Die Schüler haben Kompetenzen und können diese an andere weitergeben“, sieht der Pädagoge eine Win-Win-Situation in der Kooperation mit der Initiative 55 plus-minus. Neben naturwissenschaftlichen Fakten werden so ganz selbstverständlich und harmonisch so genannte „Soft Skills“ vermittelt wie Teamarbeit, soziale und methodische Kompetenzen, ergänzt Marcel Weinbach, der mit seinem Kollegen Sven Klose die Arbeitsgemeinschaften (AG) betreut.

Das gilt nicht nur für die Handy-Gruppe, sondern ganz besonders für die Robotic-AG, zu dessen Start sich im vergangenen Jahr fünf Erwachsene für die acht Termine anmeldeten, um gemeinsam mit der Jugend das Programmieren zu erlernen. „Bei der Präsentation des Jahresprogramms der Initiative hatten Schüler gezeigt, wie sie einen kleinen Roboter in Bewegung gebracht haben“, erinnert sich Elke Schulz aus Miehlen. „Ich wollte unbedingt wissen, wie so etwas funktioniert und programmiert werden kann.“ Zuhause mangelte es ihr sowohl an professioneller Technik wie kompetenter Begleitung. Also meldete sie sich zum Projekt an. Nach den ersten Erfolgserlebnissen blieb sie dabei. Gerade Schritt für Schritt zu denken, bis im Austausch mit den Jugendlichen eine Lösung gefunden ist, fasziniert sie. „Wir unterstützen uns da gegenseitig und freuen uns generationenübergreifend, wenn ein Problem gelöst ist“, schwärmt nicht nur sie von dem zielstrebigen Miteinander.

„Das war irgendwie ein Top-Erlebnis, dass wir in der Schule auch mal was erklären können“, sagt der 13-jährige Sedric. Die gleichaltrige Luana, für die das Programmieren mit Fischer-Technik schon zur Leidenschaft wurde, ist der Austausch mit den „wissbegierigen Omas und Opas“ eine willkommene Abwechslung, um die Beschäftigung mit dem naturwissenschaftlichen Lieblingsthema von einer neuen Seite her kennen zu lernen: „Das macht echt Spaß“.

„Manch 70-Jähriger mag denken, was soll ich jetzt noch mit dem neumodischen Kram“, sagt Initiative-Sprecher Dieter Zorbach, Dabei könne die mediale Kompetenz dazu beitragen, bis ins hohe Alter hinein praktische Hilfen für den Alltag zu nutzen und mit Menschen in digitalem wie realem Kontakt zu bleiben. „Vom Spaß, den das gute Miteinander mit den jungen Leuten macht, ganz zu schweigen“, wirbt Zorbach um neue Anmeldungen für die beiden Projekte. Als pensionierter Schulleiter weiß er um die Bedeutung von Angeboten jenseits des Frontalunterrichts. „Ich bin immer überrascht und angetan von der Ruhe, mit der Jung und Alt hier gemeinsam aktiv sind, ohne Schuldruck gemeinsam an Lösungen arbeiten oder geduldig erklären, zuhören und ausprobieren“.

Wie das kommt, weiß Paul Michel. „In unserer Gruppe gibt's eben den berühmten erhobenen Zeigefinger des Lehrers nicht“, schmunzelt der Senior-Schüler und ist froh, dass ihm teure Telefon-Rechnungen ins Ausland wie einst einmal künftig erspart bleiben. „Mit unseren Freunden in Schweden schreiben und telefonieren wir jetzt übers Internet; das kostet nichts.“ Bernd-Christoph Matern

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Schüler und Senioren im Lernen vereint: Matthias Wagner und Dieter Zorbach (von links) freuen sich mit den Teilnehmenden der Robotic- und der Handy-Führerschein-Gruppe über das gute Miteinander von Jung und Alt und die Spenden der Sponsoren. Nach den Ferien wird die Kooperation fortgesetzt. Foto: Matern

Sponsoren unterstützen Fortsetzung der Projekte

Damit es mit dem bildenden und die Generationen verbindenden Kooperations-Projekt der Initiative 55 plus-minus und der Nicolaus-August-Otto-Schule in Nastätten weitergehen kann, haben die Naspa-Stiftung, die Lotto-Stiftung, der Energieversorger Süwag sowie die Firmen Küchen-Wolf in Nastätten und Kapp-Chemie in Miehlen dafür gespendet. Insgesamt 2700 Euro kamen so zusammen, die die Anschaffung neuer Bausatzkoffer für die Robotic-AG der NAOS ermöglichen, wie deren stellvertretender Schulleiter Matthias Wagner erklärte.

In Diez-Freiendiez startet das Dekanat Nassauer Land am 27. August das Projekt „Smartphone entdecken“, das Menschen der Generation 55plus die Möglichkeiten im Umgang mit Smartphones und IPhones vermittelt. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

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