Digitale und analoge Verkündigung in Zeiten von Corona

Evangelische Kirchengemeinden entwickeln viele kreative Formen, das Wort Gottes in schwieriger Zeit nicht versiegen zu lassen

 RHEIN-LAHN. (24. März 2020) „Gott ist immer da“, so glauben Christen. Trotzdem ist es derzeit schwierig, ohne Versammlungsmöglichkeiten diesen Gedanken mit anderen zu teilen. Seit öffentliche Veranstaltungen und Gottesdienste verboten sind und reale soziale Kontakte auf ein Minimum beschränkt wurden, kommt alternativen Verkündigungsformen eine immer größere Bedeutung zu. Da zeigen die Kirchengemeinden im evangelischen Dekanat Nassauer Land eine große Kreativität. Hier einige Beispiele dafür, was allein im Laufe der vergangenen Woche auf die Beine gestellt wurde.

DIGITALE ANGEBOTE

Das Dekanat Nassauer Land bietet über die Website auf seinem YouTube-Kanal unter dem Motto „ANgeDACHT“ in unregelmäßigen Abständen in einem Video-Clip Impulse zum Nachdenken und Mutmachen von Pfarrerinnen und Pfarrern (nicht nur) zur Coronakrise. Mehr dazu hier

Dekanin Renate Weigel gestaltet über die Website des Dekanats jede Woche eine Passionsandacht. Die erinnert – auch in ausgedruckter Form – an den Grund für das Leiden und Sterben Jesu, das Christen bis Ostern bedenken und auch gerade in der jetzigen Zeit Orientierung bietet.

„5 Minuten Kindergottesdienst“ heißt ein Filmprojekt, das sich speziell an Kinder wendet, die jetzt ihre regelmäßigen Treffen vermissen. Pfarrerin Kerstin Lüderitz aus Diez-Freiendiez produziert dafür kleine kindgerechte Videos zu biblischen Geschichten. Mehr dazu hier

Während in vielen Kirchengemeinden Vorstellungsgottesdienste im Vorfeld der Konfirmation abgesagt werden mussten, ging die evangelische Kirchengemeinde St. Peter einen anderen Weg: Die Jugendlichen stellten mit Sprachnachrichten trotz der aktuellen Situation ihren Vorstellungsgottesdienst zusammen; Gemeindepädagogin Sabine Güntner und Pfarrer Manuel Fetthauer betreuten das Projekt, schnitten den digitalen Gottesdienst zusammen, ohne dass sich dafür wirklich jemand treffen musste. Außerdem feiert St. Peter jetzt ebenfalls Audiogottesdienste. Mehr dazu hier

Gottesdienste feiert die evangelische Kirchengemeinde Diez-Freiendiez derzeit über eine Video-Andacht von Pfarrerin Maike Kniese auf der Website der Gemeinde. Unterlegt ist die neue moderne Verkündigungsform mit Musik von Dekanatskantor Martin Samrock. Außerdem hat die Theologin im Internet Impulse für den Gottesdienst zuhause verfasst. Den Gottesdienst zum Sonntag Lätare finden Sie hier.

Einen Audio-Gottesdienst produzierte auch Pfarrerin Mariesophie Magnusson von der evangelischen Kirchengemeinde Klingelbach für den ersten Sonntag, an dem die Kirchentür verschlossen blieb. In den nächsten Wochen soll es in regelmäßigen Abständen damit weitergehen; die Beiträge werden auf der Website der Kirchengemeinde veröffentlicht. Den ersten Audiogottesdienst finden Sie hier.

Mit einer Internet-Andacht von Pfarrerin Lieve Van den Ameele sorgt die evangelische Kirchengemeinde Bad Ems für die Verkündigung auf digitalem Wege. Außerdem nutzt die Gemeinde das Netzwerk Facebook, um mit den Menschen in Kontakt zu bleiben. Die Videoandacht finden Sie hier. Für Kinder hat die Theologin einen Zeichentrickfilm aus ihrer Fechenheimer Zeit wieder entdeckt, den Sie hier finden.

Einen "Living-Room" bietet die EKHN ab Freitag, 26. März, eine wöchentliche Serie von Wohnzimmer-Andachten im Mini-Format. Der Begriff aus dem Englischen kann dabei ganz einfach für Wohnzimmer aber auch für Lebensraum stehen. Persönlich und ermutigend erzählen Menschen in dem Projekt, warum der christliche Glaube gerade in herausfordernden Zeiten eine kostbare Kraft sein kann. Los geht es am Freitag um 19 Uhr mit der Stellvertretenden Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf. Zum Living-Room

ANALOGE ANGEBOTE

Die Kirchengemeinden denken in der jetzigen Zeit aber nicht nur an die Nutzer, die über Internet verfügen. So können die Menschen im Dekanat derzeit sowohl die Mut machenden und tröstenden Gedanken von den Internet-Seiten des Dekanats und der Kirchengemeinden ausdrucken und weitergeben als auch auf anderem Wege die christliche Botschaft erhalten. Einige Beispiele:

Auf viel Vorfreude stoßen die Andachten für zuhause, die Pfarrerin Astrid Westphal aus Dachsenhausen für die Haushalte in ihrer Gemeinde schreibt, damit dort sonntags in häuslicher Runde zur normalen Zeit Gottesdienst gefeiert und aneinander gedacht werden kann. Sie werden jetzt samstags an die Haushalte verteilt, an denen sich Alleinstehende wie Familien erfreuen. Damit die Leute nicht denken, sie sollten zur Kirche kommen, schweigen die Kirchenglocken; dafür hängte das Austrägerteam zur Andacht noch ein kleines Glöckchen an die Tür, damit in den Haushalten jeder seinen Gottesdienst selbst einläuten kann.

Mit kleinen gedruckten Bibelversen im Wochentakt gibt Pfarrerin Melanie Schneider aus Holzappel den Menschen in der Region biblische Impulse für die belastende Zeit in die Haushalte der Verbandsgemeinde.

Eine Sonderausgabe des Gemeindebriefes mit passend ausgewählten Worten und Bildern hat Pfarrerin Silke Funk mit ihrem Redaktionsteam für die evangelische Emmausgemeinde Schweighausen zusammen gestellt. Darin finden sich Gebete, Denkanstöße und auch Ideen zumindest bis zum Osterfest Trost, Kraft und Hoffnung im Glauben zu finden.

Hausandachten hat auch Pfarrer Martin Stock für die Kirchengemeinde Braubach geschrieben, die über E-Mail und Internet verteilt und dann ausgedruckt Gottesdienste und Orientierung im kleinsten Kreis, der Familie, ermöglichen.

Einen Andachts-Liefer-Service bietet in der evangelischen Kirchengemeinde Klingelbach Gemeindepfarrerin Dr. Anneke Peereboom an. Die Gemeindepfarrerin fährt dazu mit ihrer Gitarre Haushalte an. In genügend großem Sicherheitsabstand „feiert" sie an der offenen Haustür, unter dem Balkon oder am Garten eine echte Kurzandacht mit Gesang, Gedanken und Gebet. Gemeindeglieder, die diesen geistlichen Lieferando-Service in Anspruch nehmen möchten, können sich unter Telefon 06486/911756, mobil 0176-22683349 oder E-Mail a.peereboom(at)kirche-klingelbach.de bei ihr melden.

Einen Ostergruß um die Ecken planten die Pfarrerinnen der evangelischen Kirchengemeinden in der Esterau. „Ostern ohne Gottesdienst? Das fühlt sich für viele Menschen falsch an“, schreibt Holzappels Gemeindepfarrerin Melanie Schneider. Die Alternative: Ein kirchlicher Ostergruß soll auf die Straße, ans Fenster und die Haustür kommen. Am Ostersonntag läuten die Glocken um 10 Uhr zum Gottesdienst. Dann geht es los: Freiwillige stellen sich einzeln an eine Ecke, auf den Bürgersteig, in den Garte oder wohin auch immer und stimmen ein Osterlied an, zum Beispiel „Christ ist erstanden“ oder „Wir wollen alle fröhlich sein“. Und natürlich sind auch Mitglieder von Posaunenchören willkommen, die auf ihrem Instrument eine Melodiestimme spielen können. Es geht natürlich auch mit jedem anderen transportablen Instrument. (bcm)

Mehr Tipps, zuhause statt in Kirchen und Gemeindehäusern Gottesdienst zu feiern, finden Sie hier.

Zum Vormerken: Am Sonntag, 29. März um 9.30 Uhr überträgt das ZDF seinen Fernsehgottesdienst um 9.30 Uhr mit EKHN-Kirchenpräsident Dr. Volker Jung aus der Saalkirche in Ingelheim.

Mit einem Dankschreiben hat sich Propst Dr. Klaus-Volker Schütz an alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Propstei Rheinhessen und Nassauer Land gewandt und dabei deren Engagement gewürdigt, wie sie in der jetzigen Situation neue Formen der Kommunikation und Verkündigung nutzen. Das ermutigende Schreiben des Propstes können Sie hier herunterladen.

PRAKTISCHE NACHBARSCHAFTHILFEN

Im Sinne tätiger Nächstenliebe gibt es im Rhein-Lahn-Kreis eine Reihe von Ortschaften, wo ein Hilfs-Netzwerk unter Nachbarn gebildet wurde. Menschen machen den Nachbarn das Angebot, für sie einzukaufen und andere Hilfen zu organisieren. Ein Beispiel von vielen gibt es in der Esterau. Zum Beitrag geht es hier.

Zum Foto:
Gefilmt, geschrieben, geteilt und aufgenommen: Sehr kreativ zeigen sich die Kirchengemeinden im evangelischen Dekanat Nassauer Land, um die biblische Botschaft auf unterschiedliche Weise an die Haushalte im Rhein-Lahn-Kreis zu bringen, solange öffentliche Veranstaltungen nicht möglich sind. Foto: Matern

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