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Hinschauen auf Flüchtlinge und der Toten gedenken

Zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni machen Dekanat, Gemeinden und Diakonisches Werk auf Lage aufmerksam

Flchtlingsgesprch150621RHEIN-LAHN. (26. Mai 2021) Unter Zuständen, die nicht einmal das europäische Tierschutzgesetz erfüllen, leben derzeit Menschen in den Flüchtlingslagern in Griechenland und an den Grenzen zu Bosnien. Am und im Umfeld des Weltflüchtlingstages am 20. Juni weisen das evangelische Dekanat Nassauer Land, Kirchengemeinden und das Diakonische Werk auf die menschenunwürdige Situation hin. Unter dem Motto „Die vergessenen 21.000“ wird es außerdem ein Gedenken geben, das an die auf der Flucht verstorbenen Menschen erinnert. Eine Initiative zeigt zudem bis 3. Juli in Schaufenstern in Diez zudem Bilder von Alea Horst über die Situation in den Flüchtlingslagern. Außerdem hat der Flüchtlingspfarrer der EKHN Uwe Rau einen Impuls auf den Anrufbeantworter der Kirchengemeinde Langenscheid gesprochen, in dem er von seiner Erfahrung in der Gewahrsamsanstalt für Ausreisepfichtige in Ingelheim berichtet. Er ist ab 20. Juni abzurufen unter Telefon 06439/26 99 990.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Volker Jung hat zum Weltflüchtlingstag gemahnt: „An die Toten vor unseren Grenzen dürfen wir uns nicht gewöhnen“. Den gesamten Beitrag finden Sie hier.

Am Sonntag, 20. Juni selbst wird in Hahnstätten in Kooperation zwischen Kirchengemeinden, dem Jugendhaus in Hahnstätten sowie der Fachstelle für Flüchtlinge, Migration und Integration des Diakonischen Werkes Rhein-Lahn an das Leid durch Flucht erinnert. Dazu wird um 21 Uhr mit 21 Glockenschlägen der Toten gedacht. Bereits um 20.30 Uhr besteht die Möglichkeit, auf dem Hahnstätter Dorfplatz ein Licht anzuzünden, ein Gebet zu sprechen und einen Moment zu schweigen, um der Todesopfer zu gedenken. Gleiches ist um 20.30 Uhr in Burgschwalbach an der Kirche möglich. Das Projekt 21.000 bezieht sich auf die ungefähre Anzahl von Menschen, die seit 2014 auf der Flucht ihr Leben im Mittelmeer gelassen haben. Den Bericht dazu finden Sie hier.

Bereits am Dienstag, 15. Juni, von 19.30 Uhr bis 21 Uhr gab es online ein Gespräch zwischen Dekanin Renate Weigel und der Fotografin Alea Horst, das die Losung des vergangenen ökumenischen Kirchentages „Schaut hin“ aufgriff. An dem Abend wurde in Fotos, Berichten und im Gespräch der Frage nachgegangen „Ist Entsetzen alles, was wir tun können?“. (Bericht folgt).

Seit Jahren tragen Dekanat und Kirchengemeinden zur Integration Geflüchteter im Rhein-Lahn-Kreis bei; zuletzt wurde außerdem in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgerufen, sich für ein sofortiges Ende des Elends in den Lagern einzusetzen und mittelfristig auf europäischer Ebene dafür zu sorgen, dass dieser unmenschliche Umgang mit Flüchtlingen aufhört.

Die Fotografin und Menschenrechtsaktivistin Alea Horst ist regelmäßig in den Lagern und dokumentiert in erschütternden Bildern die katastrophalen Zustände. Sie gehört zu den engagierte Mitgliedern, die sich in der Region Aar-Einrich in der Initiative „Wir machen mit!“ (WMM) für eine Auflösung der Lager einsetzen und gleichzeitig akute Hilfe leisten.

Die Initiative „Wir machen mit“ hat sich 2005 unter Federführung des Arztes Achim Lauer und einer Gruppe Engagierter rund um Hahnstätten gegründet. Damals hatte Kanzler Schröder zu Gemeinde-Patenschaften mit vom Tsunami betroffenen Gebieten auf Sri Lanka aufgerufen. 2019 und 2020 gingen die Bilder über die furchtbaren Zustände im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos in Griechenland um die Welt; dies war für die Initiative der Anlass, sich neu zu formieren, um aktiv an der Verbesserung der Situation auf Lesbos mitzuarbeiten und die Menschen dort zu unterstützen.

Mehr Informationen zur Ausstellung „Die Vergessenen“ finden Sie hier.

(bcm)