PW21KlingelbbachLuthergarten DNL mmetzmacher

Vier Tage unterwegs auf dem Weg des Friedens

Viele Menschen pilgerten mit Dekanin Weigel quer durch den Rhein-Lahn-Kreis

PW21Begleitheft becrima RHEIN-LAHN. (9. September 2021) Dem Thema Frieden war der diesjährige Pilgerweg durchs evangelische Dekanat Nassauer Land mit Dekanin Renate Weigel gewidmet. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit, abschnittsweise oder auf allen vier Etappen zwischen Weisel und Eppenrod die Theologin zu begleiten. Dabei sammelten die Teilnehmenden auf unterschiedliche Weise Impulse und neue Perspektiven fürs eigene Leben und den Umgang mit Frieden.

Die Konstanten: Jeden Tag begleitete ein Bibeltext zum Thema „Frieden“, der im kurzen Morgenlob vorgestellt wurde. Unter freiem Himmel wurde mittags Abendmahl miteinander gefeiert. Eine Zeit des Gehens in der Stille gehörte ebenso zum Tagesablauf wie das gemeinsame Singen und Beten. Am Zielort angekommen klang die Etappe mit einer Schlussandacht, einem Impuls mit Blick auf das Erlebte und einer gesungenen Bitte um Frieden und Segen aus.

Bereichernde Vielfalt

PW21FriedenseicheMiehlen1 becrima PW21PohlKathKirche DNL mmetzmacherVielfalt boten die wunderschöne Landschaft und die verschiedenen Orte, die auf der gut 50 Kilometer langen Pilgerroute per pedes angesteuert wurden. Es wurde viel erzählt, gelacht und Freude geteilt. Es gab nachdenkliche, ernsthafte und feierliche Momente. An den ersten beiden Tagen von Weisel nach Miehlen und von dort über das Pohler Limeskastell und die Kirche in den Luthergarten von Katzenelnbogen hatten sich jeweils drei Dutzend Männer und Frauen mit viel Sonne vom Himmel und in den Herzen auf den Weg gemacht; die letzten beiden Etappen nutzten bei etwas trüberem Wetter noch einmal kleinere Gruppen, um die Heimat zu Fuß viel intensiver wahrzunehmen anstatt sie nur zu „erfahren“.

Wer zu Fuß geht, sieht mehr

PW21FeldkircheHabenscheid becrima PW21BalduinsteinKathKirche becrima Sie sei ja oft mit dem Auto im Dekanat zu Kirchen und Gemeindehäusern unterwegs, erzählt Dekanin Weigel. „Ganz anders kommen die Orte mir entgegen, wenn ich laufe. Neubaugebiete, originelle Häuser und Gärten, Sportplätze, Betriebe, Höfe, die Bewirtschaftung der Felder, die Situation in den Wäldern – wer zu Fuß geht, sieht mehr.“ Verschieden auch die angesteuerten Kirchen: die uralte und karge Feldkirche in Habenscheid etwa, die reich ausgestattete und sehr gepflegte katholische Kirche in Balduinstein oder die praktische und mit liebevollen Elementen versehene Kirche in Langenscheid sowie das feine evangelische Gotteshaus in Hirschberg. Weigel: „Jeder Kirchenraum hat Frieden auf eine ganz eigene Weise ausgestrahlt“.

Sich selbst und Gemeinschaft erfahren

PW21FreiesFeld becrima Und dann machten alle Teilnehmenden die Erfahrung, die das Pilgern vom Wandern unterscheidet. „Wer pilgert, will etwas über sich und das eigene Leben erfahren. Wer mit anderen pilgert, erlebt sich in der Gemeinschaft“, resümiert Weigel und berichtet von einer Frau, die schon im vergangenen Jahr dabei war. Sie lebe und arbeite in einem Umfeld, wo es unüblich ist, mit anderen darüber zu reden, was ihn oder sie gerade beschäftigt und wo niemals über Gefühle gesprochen werde. „Deshalb gehe ich hier so gerne mit“, habe sie gesagt.

Wanderstöcke als Kreuz

PW21BalduinsteinRegen becrima PW21OtiAbendmahl DNL mmetzmacherZu den besonders feierlichen und andächtigen Momenten gehörten die gemeinsamen Abendmahl-Feiern. Gerade im Freien wurde dabei ein Stück Frieden spürbar. Die Kirchengemeinden, in denen die Etappen starteten, hatten der Pilgergruppe eine Flasche Wein mit auf den Weg gegeben. Brot hatten die Pilger selbst mitgebracht ebenso wie unterschiedliche Gefäße, die als „Abendmahlskelch“ genutzt wurden. Als Kreuz, unter dem an Jesu letztes Abendmahl erinnerte wurde, dienten allerorten gekreuzte Wanderstöcke. So einfach arrangiert die Feiern waren, sorgten sie doch für ein tief bewegendes Gemeinschaftserlebnis.

Frieden als Auftrag im Gepäck

In Impulsen und Gesprächen wurde deutlich, dass es nicht leicht ist, Frieden zu stiften. Weigel: „Frieden fängt beim Frühstück an und hört mit der Weltpolitik nicht auf. Es schmerzt, wenn er nicht gelingt. Wir haben ihn als Auftrag im Gepäck“. Aber jede und jeder sei auch empfindlich und bringe persönliche Verletzungen mit, die meist nicht sichtbar seien. „Es braucht auch einen inneren Frieden. Die stillen Wege in den ganz eigenen Landschaften unseres Dekanats machten uns still und zufrieden.“ Zwei Sätze, die unterwegs oft zu hören gewesen sind, ob Sonne oder Regentropfen den Weg begleiteten: „Wir haben es so gut!“ und „Wir haben doch mehr als genug!“.

Spenden für Flüchtlingsinitiative

Dabei dachten Pilgerinnen und Pilger auch wieder an Menschen, denen es weitaus schlechter geht, die um ihr Leben fürchten und unter menschenunwürdigen Zuständen leben: Flüchtlinge in Griechenland und an den Grenzen zu Europa. Die Kollekte erbrachte 673, 90 Euro. Sie gehen an die Initiative aus Burgschwalbach „Wir machen mit“. Sie unterstützt unter anderem eine medizinische Nothilfestation auf Lesbos und versucht damit, die Situation von Geflüchteten etwas erträglicher zu machen.

Zu den Fotos:

Vier Tage pilgerte Dekanin Renate Weigel mit vielen Menschen „auf dem Weg des Friedens“ von Weisel nach Eppenrod quer durch den Rhein-Lahn-Kreis unterwegs. Dabei wurden nicht nur Friedensorte wie die Miehlener Friedenseiche, der Luthergarten in Klingelbach sowie unterschiedliche Kirchen wie die Feldkirche Habenscheid oder die katholische Kirche Balduinstein angesteuert. Gespräche und Impulse lieferten auch Perspektiven zum inneren Frieden und dem mit anderen Menschen in der Nähe wie Ferne. Abendmahlsfeiern und Abschlussandachten im Freien waren besonders bewegende Momente. Fotos: Bernd-Christoph Matern/Matthias Metzmacher