Henriette Crüwell wird im kommenden Jahr neue Pröpstin

Synode wählte 50-jährige Theologin zur Nachfolgerin von Klaus-Volker Schütz für Rheinhessen und Nassauer Land

CruewellPropstinab0922 OFFENBACH/RHEIN-LAHN. (24. November 2021) Henriette Crüwell wird im kommenden Jahr die neue Pröpstin für Rheinhessen und Nassauer Land. Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wählte die Offenbacher Pfarrerin in ihrer digitalen Tagung am heutigen Mittwoch mit 86 Ja-Stimmen von 119 abgegebenen gültigen Stimmen an die Spitze des Kirchengebiets in Rheinland-Pfalz. Die 50 Jahre alte Theologin mit Dienstsitz in Mainz ist dann ab August 2022 für rund 250.000 Evangelische in mehr als 200 Gemeinden im rheinland-pfälzischen Kirchengebiet zuständig.

Das Amt ist in anderen Landeskirchen mit dem einer „Regionalbischöfin“ vergleichbar. Eine Amtszeit beträgt sechs Jahre, Wiederwahlen sind möglich. Neben Crüwell hatte sich die Wiesbadener Pfarrerin Ursula Kuhn als Pröpstin beworben. Crüwell tritt nun die Nachfolge von Klaus-Volker Schütz (65) an. Er geht kommenden Sommer in den Ruhestand. Schütz war seit 2001 Propst. Propstei-Sprecher Frank Puchtler aus Oberneisen (Dekanat Nassauer Land) dankte den beiden Bewerberinnen für ihre Kandidatur und deren beeindruckende Präsentation. Der künftigen Pröpstin Crüwell gratulierte Puchtler, wünschte ihr Gottes Segen und hofft auf eine gute Zusammenarbeit. „Wir hatten zwei sehr gute Kandidatinnen“, kommentierte ebenso die Landessynodale aus dem Nassauer Land Pfarrerin Yvonne Fischer (Lahnstein) und freut sich auf die Zusammenarbeit im kommenden Jahr: „Frau Crüwell hat eine sehr offene Art, einen spannenden Lebenslauf und einen sehr breiten theologischen Horizont“. (siehe auch unten „Zur Person“)

Pröpstin will eine Kirche, die sich gemeinsam auf den Weg macht

In ihrer Vorstellungsrede sprach sich Crüwell für eine Kirche aus, die „mit den Menschen unterwegs ist“. Die Kirche befände sich in einem Umwandlungsprozess. „Wir wissen noch nicht, in welcher Gestalt wie auch immer es Kirche in Zukunft geben wird. Und wir werden dabei vieles ausprobieren müssen, um herauszufinden, wo Gott uns haben will. Aber wo immer mindestens zwei oder drei im Namen Jesu beieinander sind, da ereignet sich Kirche“, sagte Crüwell. Deswegen sei es beispielsweise wichtig, die Kirchengebäude „als offene und öffentliche Orte, wo die Wege der Menschen sich kreuzen und wo sie beieinander und bei Gott zu Gast sein können“ nach Möglichkeit zu erhalten. Manchmal könnten diesen Zweck aber auch „Zeltdächer für Neues, vielleicht auch nur Vorübergehendes“ erfüllen.

Crüwell: „Wenn sie nicht mehr gebraucht werden oder einfach an der falschen Stelle stehen, dann baut man sie eben woanders auf. Wir sind und bleiben auf dem Weg! Ich habe eine tiefe Zuversicht in mir, dass Gott uns in das Land bringen wird, wenn wir immer wieder nach seinem Willen für uns und unsere Welt fragen, seinem Ruf folgen und mit weitem Herzen von der Hoffnung erzählen, die uns erfüllt.“ Crüwell ging auch auf den derzeitigen Reformprozess „ekhn2030“ ein und sagte: „Wir wissen bei all dem noch nicht, welche Gestalt unsere Kirche in Zukunft haben wird. Deswegen werden wir vieles ausprobieren müssen, um herauszufinden, wo Gott uns haben will. Und auch Fehler machen. Aber wir müssen losmarschieren!  Denn eins dürfen wir als wanderndes Gottesvolk nicht tun. Stehenbleiben.“ Bei ihrer Vorstellungsrede wurde Crüwell per Videodienst Zoom zur digitalen Synode zugeschaltet.

Hier können Sie die Kirchensynode live auf YouTube verfolgen.

Hier finden Sie einen Beitrag zu den Äußerungen von Kirchenpräsident Jung zum Reformprozess ekhn.2030

 

Zur Person: Henriette Crüwell

Henriette Crüwell wurde 1971 in Offenbach geboren. Sie studierte zunächst Rechtswissenschaften und erlangte das 2. Juristische Staatsexamen nach einem Referendariat am Landgericht in Darmstadt. Danach folgte ein Studium der Philosophie und Katholischen Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Ihr Vikariat absolvierte sie in der Alt-katholischen Pfarrgemeinde Sankt Cyprian in Bonn. Anschließend wechselte sie als Gemeindepfarrerin im Probedienst in die Evangelische Kirche im Rheinland. Ab dem Jahr 2014 arbeitete Crüwell in Hessen-Nassau als Pfarrerin an der jugend-kultur-kirche sankt peter in Frankfurt. Seit 2016 ist sie Pfarrerin an der Friedenskirche in Offenbach. Crüwell ist zudem Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Offenbach. In der EKHN engagiert sie sich als Ansprechperson im Sonderübernahmeverfahren und ist darüber hinaus als Lehrpfarrerin tätig. Sie ist zudem Beisitzerin im Kirchlichen Verfassungs- und Verwaltungsgericht der EKHN. 

Foto: F. Diehl