
Neue spirituelle Ideen: Innovationspfarrer im Nassauer Land
Dekanat hat eine neue Stelle geschaffen – Interview mit Pfarrer Christoph Kiworr aus
MAINZ/RHEIN-LAHN. (29. April 2026) Pfarrer für spirituelle Innovation und Lebensbegleitung – eine Stelle mit diesem nicht ganz alltäglichen Namen hat das evangelische Dekanat Nassauer Land zum 1. Februar ins Leben gerufen. Amtsinhaber Christoph Kiworr aus Mainz hat viele Ideen, wie man sie mit Leben füllen kann. Im Gespräch mit evangelisch-nassauer-land.de berichtet er von seinem neuen Dienstauftrag, den er mit halber Stelle begleitet.
Herr Pfarrer Kiworr, was hat Sie dazu motiviert, diese Stelle anzunehmen?
Als Gemeindepfarrer der evangelischen Maria-Magdalena-Gemeinde Drais-Lerchenberg beschäftige ich mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Innovation im kirchlichen Kontext. Wir erleben, dass die Menschen ein großes Interesse und auch ein Bedürfnis an spiritueller Lebensbegleitung haben – dies aber nicht nur in der bisher üblichen Form. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, neue Wege zu gehen und innovative Angebote zu entwickeln. Ich habe große Lust, in diesem Bereich zu experimentieren und neue Dinge auszuprobieren, habe aber auch festgestellt, dass dies in den Strukturen einer Gemeindepfarrstelle nicht ganz einfach ist. Dass ich jetzt genau dafür neben meiner halben Stelle als Gemeindepfarrer in Mainz diese neu geschaffene halbe Stelle im evangelischen Dekanat Nassauer habe, ist ein Geschenk, zumal mir das Dekanat sehr viel Gestaltungsfreiraum lässt und Unterstützung bietet.
Gibt es vergleichbare Stellen auch in anderen Dekanaten?
Ja, in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau haben mittlerweile fünf Dekanate solche Stellen geschaffen, die allerdings alle unterschiedliche Namen tragen. Wir sind dabei, ein gemeinsames Profil zu entwickeln.
Ist Ihre Arbeit und die Ihrer Kollegen auf dem Hintergrund der zunehmenden Kirchenaustritte zu sehen?
Nein, das ist nicht meine Sicht auf Kirche. Sicherlich ist der Mitgliederschwund in der Öffentlichkeit ein großes Thema. Aber es gibt so viele Möglichkeiten, Kirche zu gestalten, und ein großes Hoffnungspotenzial. Davon bin ich überzeugt. Natürlich stößt man immer erst einmal auf Barrieren, wenn man etwas Neues wagt. Da braucht es Geduld und eine gute Kommunikation. Auf Gemeindeebene habe ich die Erfahrung gemacht, dass es bei den Menschen eine große Zustimmung zu innovativen Projekten gibt. Die kirchlichen Strukturen müssen sich dagegen noch etwas verändern, aber auch da sehe ich Bewegung. Schwieriger als die Innovation dürfte in Zukunft die Exnovation sein – also die Frage, was man weglässt, um Raum für Neues zu schaffen.
Welche Projekte laufen im Dekanat Nassauer Land bereits?
Da ist zum einen das mittlerweile landesweite Projekt „Einfach heiraten“ zu nennen, das am 27. Juni im Freiherr-vom-Stein-Park in Nassau vor Ort ist. Von 11 bis 16 Uhr können sich Paare dort kirchlich segnen oder, wenn sie eine standesamtliche Heiratsurkunde mitbringen, auch trauen lassen. Das ist sowohl mit Anmeldung als auch spontan möglich. Mehr dazu findet man unter einfachheiraten.info/lahnufer-nassau oder hier.
Zum anderen startet am 26. März die monatliche Online-Veranstaltungsreihe „60 Minuten für Inspiration und Innovation“ mit Referenten, die aus den unterschiedlichsten Bereichen Innovationserfahrung mitbringen. Nach einem kurzen Impuls kommen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch, teilen Erfahrungen und entwickeln neue Ideen. Das Programm und den Zoom-Link kann man unter der E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anfordern.
Sie bieten auch Coaching und Begleitung für Veränderungs- und Transformationsprozesse im kirchlichen Kontext an. Worum geht es dabei?
Im Vordergrund steht die Frage, was die Menschen brauchen und wie wir sie erreichen. Daraus entstehen oft ganz konkrete Ideen. Natürlich muss nicht alles anders werden, aber manches darf sich verändern – und Neues wachsen. In solchen Prozessen unterstütze ich Gemeinden.
Welche Ideen haben Sie für die Zukunft?
Ich möchte gern mit einenm Segensmobil im Dekanat unterwegs sein, Menschen begleiten und bei Festen präsent sein. Dafür stellen wir gerade einen Antrag. Denn ich bin überrzeugt, dass wir als Kirche die Menschen stärker direkt ansprechen müssen.
Das Gespräch führte Ulrike Bletzer.
Zum Foto:
Pfarrer Christoph Kiworr von der evangelischen Maria-Magdalena-Gemeinde Drais-Lerchenberg (hier vor der Theodor-Heuss-Brücke in Mainz zu sehen) ist seit dem 1. Februar auch Pfarrer für spirituelle Innovation und Lebensbegleitung im evangelischen Dekanat Nassauer Land. Foto: Cordula Zehnder-Kiworr
