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Von den Alpen zurück ins neue Tourismus-Pfarramt

Pfarrer Urs Michalke ist Vernetzung wichtig und bereitet ökumenischen BUGA-Auftritt vor

MittelrheinKatzLoreley becrima NOCHERN/RHEIN-LAHN. (9. März 2026) Wo andere Urlaub machen, hat Pfarrer Urs Michalke in den vergangenen Jahren immer wieder als Auslandspfarrer gearbeitet. Jetzt ist er zurückgekehrt, um die neu vom evangelischen Dekanat Nassauer Land geschaffene Stelle für Tourismus und die Vorbereitung auf die BUGA 2029 mit Ideen und Leben zu füllen. „Die Ausschreibung lässt reichlich Raum für innovative und kreative Möglichkeiten“, erzählt der Theologe, während er nach seinem Umzug aus Ascona im ehemaligen Pfarrhaus von Nochern als künftigem Wohnsitz noch die Regale füllt.

„Sie bietet die Chance, Menschen mit und ohne kirchlichem Hintergrund zu erreichen, sofern sie spirituell offen sind und sich auf Gottes- und Lebensfragen ansprechen lassen“, freut sich der 53-Jährige auf die neue Aufgabe. An Menschen fehlt es dabei insbesondere am Mittelrhein nicht, bevölkern doch Millionen von Tages- und Übernachtungsgästen jedes Jahr allein das Mittelrheintal. Bevor er erstmals für sechs Jahre als Auslandspfarrer in Verona und am Gardasee arbeitete, war ihm schon an seiner ersten Wirkungsstätte als Gemeindepfarrer in Kaub und Lorch von 2006 bis 2013 der Blick über den Kirchturm wichtig. Dort rief er etwa als passionierter Biker mit einem ökumenischen Team die Rheingauer Motorradgottesdienste ins Leben und engagierte sich im Forum „Kirchen im Welterbe Mittelrheintal“ über den Strom, zwei Landeskirchen und drei Bistümer hinweg.

PWA140721Wasser becrima Ein weiteres Argument für die jetzige Rückkehr aus der italienischen Schweiz in den „Schoß der Landeskirche“: Das kirchliche Programm zur BUGA wird ökumenisch angegangen. Das Miteinander von katholischer und evangelischer Kirche liegt Michalke schon immer am Herzen. Und wenn er ans BUGA-Motto „Leben am Wasser“ denkt, dann sprudelt gleich ganz viel christliche Symbolik aus ihm heraus: „Wenn Jesus vom Wasser spricht, dann hat er erfrischende Quellen im Sinn, die Menschen das Lebenselixier spenden, das reinigt und belebt. Mit der Geistkraft Gottes im Rücken können sie auch in Wüstenzeiten glauben, hoffen und lieben“.
Zur BUGA, die beide Seiten des Mittelrheintales miteinander verbindet, könne die Kirche Oasen schaffen, an denen sich unterschiedlichste Menschen begegnen, austauschen, Brücken schlagen und miteinander feiern, um dann bereichert den Nachhauseweg anzutreten.

Aber nicht nur am Rhein sieht der in Bad Ems aufgewachsene Theologe attraktiven Raum, um Menschen segensreich untereinander mit ihren Lebensfragen in Gottes Schöpfung oder in den vielen Kirchen in Verbindung zu bringen. „Mit der Lahn fließt einer der beliebtesten Wasserwanderwege Deutschlands durch unser Dekanat“, betont Michalke einen anderen touristischen Reiz der Region. Bestens vertraut ist ihm auch das bei Radfahrern und Pilgern beliebte Aartal. Dort wirkte er von 2019 bis 2023 und sorgte im guten Miteinander zwischen kirchlichen, kommunalen und gesellschaftlichen Gruppen für manch unkonventionelle, aber segensreiche Aktionen, die künstlerische und touristische Begegnungen ermöglichten.

Obernhof Lahntal 04 2022 becrima Die Aufgaben selbst im einzigen Drei-Welterbe-Dekanat der Landeskirche sind nicht der einzige Grund für die Rückkehr von Locarno in den Rhein-Lahn-Kreis. „Ich mag einfach den Menschenschlag“, sagt der Theologe. „Auch wenn das Leben bei uns von den gleichen Herausforderungen geprägt ist wie andernorts – ich habe hier viele positive, begeisterungsfähige und feierfreudige Menschen kennenlernen dürfen, das steckt an!“ Besonders freut er sich auf die Zusammenarbeit mit dem jungen ideenreichen hauptamtlichen Verkündigungsteam rund um Blaues Ländchen und Loreley. „Da weht ein frischer Wind durch die Kirche“, spürt er der Mischung an neuen gottesdienstlichen Angeboten in der Region ab.

Aus seinen Erfahrungen als Pfarrer im Ausland und als EKD-Koordinator für die Urlaubsseelsorge weiß er um die Chancen und Wirkungen kirchlicher Angebote für Touristen. Gerade im Urlaub seien die Menschen für persönliche Segensworte und neue Formen der Spiritualität offen, habe er in evangelischen Auslandsgemeinden und bei kirchlichen Angeboten in Südeuropa festgestellt. Auch auf den Kanaren, an Nord- und Ostsee, in den Alpen und auf einigen Campingplätzen seien die deutschsprachigen Gottesdienste unter Touristen beliebt, oft auch bei Menschen, die in ihrer Heimat selten zur Kirche kommen. „Und wenn sie dann nach Hause fahren, behalten sie die in der Ferne erlebte kirchliche Gastfreundschaft in guter Erinnerung.“

Damit das gelingt, ist jetzt erstmal vernetzen angesagt mit allen Menschen, denen die Reize der Region am Herzen liegen. Bernd-Christoph Matern

Zu den Fotos:

Noch räumt Pfarrer Urs Michalke in Nochern Regale ein. Er freut sich auf die neue Aufgabe im Tourismus-Pfarramt und die Vorbereitung des kirchlichen BUGA-Programms am Mittelrhein. Fotos: Matern