Synode140326 Schirme UBletzer

Dekanatssynode startet zuversichtlich ins Geburtstagsjahr

Frühjahrstagung präsentiert neben ausführlicher Zahlen auch innovative Arbeitsfelder

Synode140326 Dekanin UBletzer NASSAU/RHEIN-LAHN. (23. März 2026) Eine ganze Reihe harter Fakten und gefühlt Tausende von Zahlen, aber noch mehr Mitmenschlichkeit und Herzlichkeit prägten die Frühjahrstagung der Dekanatssynode Nassauer Land, die jüngst unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden des Dekanatssynodalvorstands (DSV), Dr. Ulrich Werner, im Versammlungsraum der Stiftung Scheuern stattfand. Keine Tagung wie jede andere, wohlgemerkt: Schließlich feiert das evangelische Dekanat Nassauer Land in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Zum 1. Januar 2016 aus der Fusion der früheren Dekanate Diez, Nassau und St. Goarshausen hervorgegangen, lässt es Parallelen zu einer gerade sehr aktuellen Entwicklung erkennen: die teils bereits vollzogene, teils in naher Zukunft anstehende Bildung von fünf neuen Verwaltungsräumen innerhalb des Dekanats.

Dabei sei viel Freude und Gemeinschaft zu spüren, zeichnete Dekanin Kerstin Janott in ihrem Bericht ein positives Bild dieser Entwicklung, sparte aber auch die damit einhergehenden Herausforderungen nicht aus. „Wie halten wir es aus, dass wir verschieden sind, und wie gestalten wir diese Vielfalt?“, fragte sie in die Runde. Die Antwort: „Wir geben uns gegenseitig Raum, setzen uns füreinander ein und schaffen zusammen mehr.“ Im Dekanat und in der Kirche ganz allgemein sei entgegen anderslautender Gerüchte eben doch Bewegung drin, so Kerstin Janott: „Auch bei den Mitarbeitern: So haben wir in den vergangenen Monaten zum Beispiel den einen oder anderen neuen Pfarrer im Dekanat begrüßen können.“

Synode140326 Neue UBletzerWomit der Bogen zum Gottesdienst, der der eigentlichen Dekanatssynode vorgeschaltet war, geschlagen wäre: In ihm führte die Dekanin die beiden Pfarrer Christoph Kiworr und Urs Michalke in ihre neu geschaffenen Ämter ein, die genau das widerspiegeln: Bewegung, Innovation und vor allen Dingen Ideen, wie man die Menschen in der heutigen Zeit mit christlichen Inhalten erreichen kann. Während der Mainzer Christoph Kiworr im Nassauer Land als Pfarrer für spirituelle Innovation und Lebensbegleitung unterwegs ist, setzt sich der langjährige Auslandspfarrer Urs Michalke als Pfarrer für Tourismus und Bundesgartenschau unter anderem federführend für die Vorbereitung des kirchlichen Buga-Programms ein. Pfiffig, wie die beiden in dem von Dekanatskantor Martin Samrock an der Orgel begleiteten Gottesdienst in einer Art Dialog-Predigt nicht nur über ihre künftigen Wege sprachen („Unser Dekanat ist von wunderschönen Wanderwegen durchzogen“ – „Ich glaube, mich auf den Weg zu den Menschen zu machen, gibt mir noch mehr“), sondern auch schon mal mithilfe eines Zeitsprungs auf das Jahr 2026 zurückblickten. Es sei zwar nicht alles gut geworden, was man sich damals vorgenommen habe, aber: „Wir haben vieles geschafft und sind vor allen Dingen immer gemeinsam unterwegs gewesen.“

Keine Begrüßung, sondern ein Abschied: Karolin Donart ist zwar weiterhin in der Beratung von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund tätig, aber die Anstellungsträgerschaft für ihre örtlich in der Verbandsgemeinde-Verwaltung Nastätten angesiedelte Stelle hat zum Jahresbeginn vom Dekanat zu den Verbandsgemeinden Nastätten, Loreley und Aar-Einrich gewechselt. Kerstin Janott dankte ihr für ihre Arbeit.

Synode140326 Skaehr Zoeller UBletzerDann hieß es Tische rücken, denn die Dekanatssynode begann. Mit einleitenden Worten von Pröpstin Henriertte Crüwell, die sehr nachdenklich stimmten, als es um das Thema Rechtsextremismus und Populismus ging: Vertreter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hätten berichtet, sie seien froh, ihre Verwaltungsgebäude nicht abgegeben zu haben, sagte sie: „Zur Begründung hieß es: Weil wir jetzt Schutzräume brauchen, in denen wir Pfarrpersonen vorübergehend in Sicherheit bringen können. Denn es werden Reifen aufgeschlitzt, Briefkästen angezündet, Menschen bespuckt und vieles mehr.“

Mit Stefan Bingel, Ursula Junker, Sarah Minor und Bianca Sigg verpflichtete Dr. Ulrich Werner noch vier neue synodale Mitglieder, bevor ein Speed-Dating der besonderen Art zum Kennenlernen verschiedener Dekanats-Projekte an den Start ging. Zwischen zwei Gong-Signalen hatte man jeweils fünf Minuten Zeit, um sich an einem der Stehtische über das in Dausenau verortete, von Ralf Skähr-Zöller präsentierte Projekt „Mensch, was bleibt – Kunst in der Kirche“, den auf den 12. September terminierten, von Dekanatskantor Ingo Thrun vorgestellten Kirchenmusiktag in Nassau sowie die geplanten Aktionen der neuen Pfarrstellen Spirituelle Innovation und Lebensbegleitung (zum Beispiel „Einfach heiraten“ am 27. Juni im Freiherr-vom-Stein-Park in Nassau) und Tourismus und Bundesgartenschau (unter anderem geistliche Impulse für Buga-Besucher) zu informieren.

Dann nahm er seinen Lauf, der eingangs erwähnte Zahlen-Marathon. Station 1: Carsten Gelhard, Geschäftsführer der Evangelischen Regionalverwaltung Rhein-Lahn-Westerwald, stellte die gemeinsam mit Mitarbeiterin Diana Schmidt erstellte Eröffnungsbilanz 2021 mit einer Bilanzsumme von exakt 4.294.176,56 Euro und einem Reinvermögen von 1.100.702,71 Euro vor. „An den Schnittstellen wurden Abertausende von Daten falsch eingegeben, was zu Verzögerungen geführt hat“, antwortete Gelhard unter anderem auf eine kritische Frage nach den Gründen für die lange Bearbeitungsdauer.

Synode140326 UliWerner UBletzerStation 2: DSV- und Finanzausschussmitglied Uwe Norwig erläuterte die Neuregelungen des Finanzausgleichs. Um nur zwei Punkte herauszugreifen: Die Finanzausgleichszuweisung, die in den Haushaltsjahren 2024 und 2025 noch 1,60 Euro pro Gemeindemitglied betrug, ist zum Stichtag 1. Januar 2026 auf 1 Euro pro Nase gesunken. Und: Bei Konfi- und anderen Jugendfreizeiten gibt es 10 Euro pro Teilnehmer und Tag.

Station 3: Bärbel Goerke, Vorsitzende des Kirchenvorstands der evangelischen Kirchengemeinde Reichenberg, stellte anhand eines detaillierten Zahlenwerks den Haushaltsplan vor. Dieser weist nach Berücksichtigung der Rücklagenentwicklung für das Haushaltsjahr 2026 ein positives Ergebnis in Höhe von 54.764 Euro und für 2027 ein Plus in Höhe von 49.307 Euro auf – und fand das einstimmige Votum der Versammlungsteilnehmer.

Auch wenn das Evangelische Dekanat Nassauer Land selbst finanziell relativ gut dasteht, ernüchterte, was zum Abschluss Lukas Hille und Josua Keidel angesichts sinkender Mitgliederzahlen und schwieriger werdender Bedingungen von der Kirchensynode zu berichten hatte: „Dort ist klar geworden, dass Sparen zur Daueraufgabe werden wird.“ Ulrike Bletzer

Zu den Fotos:
Gut beschirmt sind die beiden neuen Pfarrer Christoph Kiworr (links) und Urs Michalke (rechts), die Dekanin Kerstin Janott in ihre neuen Aufgabenfelder einführte. Neben der Verabschiedung der Haushaltszahlen stellten sich in der von Uli Werner (Foto ganz unten) geleiteten Frühjahrstagung einzelne Arbeitsbereiche den Synodalen des Dekanats Nassauer Land vor. Dabei wurde auch auf die zwei Highlights des Geburtstagsjahres hingewiesen, eine bundesweit bedeutsame Ausstellung in Dausenau „Kunst in der Kirche“ ab 22. August und den Kirchenmusiktag am 12. September in Nassau.  Fotos: Ulrike Bletzer