
Abschied in Ruhestand für Pfarrer Fehlhaber in Nassau
Seelsorge für Menschen am Rand der Gesellschaft lag ihm am Herzen – Zehn Jahre auch im Rhein-Lahn-Kreis tätig
WESTERWALD/RHEIN-LAHN. (19. Mai 2026) Am Pfingstmontag, 25. Mai um 14 Uhr wird Pfarrer Markus Fehlhaber aus Koblenz von Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer in der Stiftung Scheuern in Nassau in den Ruhestand verabschiedet. Die Ortswahl ist kein Zufall, denn die Seelsorge und Verkündigung für die Menschen mit einer Behinderung war dem Theologen immer eine Herzenssache; mehr als fünf Jahre war er dort als Pfarrer tätig, bevor er in den Westerwald wechselte.
Im Rhein-Lahn-Kreis war Fehlhaber wesentlich länger aktiv. Im Jahr 2011 übernahm er die halbe Pfarrstelle für Ökumene in den drei evangelischen Dekanaten Diez, Nassau und St. Goarshausen, arbeitete im ökumenischen Forum „Kirche im Welterbe Mittelrhein“ mit und übernahm Dienste in den Kirchengemeinden rund um Dornholzhausen sowie Hömberg und Zimmerschied.
Im Auftrag des Herrn war Fehlhaber schon seit den frühen 1990er-Jahren unterwegs: Zunächst arbeitete er im Diakonischen Werk Hamburg in der Begegnungsarbeit der Kirchengemeinden mit Flüchtlingen. Das war eine prägende Zeit für den heute 63-Jährigen. Er lernte nicht nur neue Kulturen, sondern auch die unterschiedlichsten Erfahrungs- und Lebenswelten kennen. Sein Dienst als Pfarrer begann 1999 in Offenbach-Bieber. Dort erlebte er, wie inspirierend die Arbeit in einem gut funktionierenden Team ist. 13 Jahre sprechen für sich, die er an seinem ersten Dienstort blieb, bevor er sich auf Neues an Rhein, Lahn und Aar einließ. Den Blick zu weiten über kirchliche oder konfessionelle Grenzen hinweg auf das, was Menschen bewegt, war ihm als Ökumene-Pfarrer wichtig. Teamarbeit markiert noch einmal das Ende seines aktiven Dienstes als Pfarrer. Bis Sommer ist er noch im Verkündigungsteam der Gesamtkirchengemeinde Westerwald-Süd tätig, zuständig für die Seelsorge an Senioren, hauptsächlich in den Einrichtungen. Aber auch Beerdigungen hat er dort in Montabaur übernommen.
„Mein Herz schlug immer dann am lautesten, wenn ich mit Menschen zusammen war, die sonst kaum wahrgenommen werden in der Gesellschaft“, blickt der künftige Ruheständler zurück. Dazu zählt er Wohnungslose, Demente und Menschen, deren Behinderung nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, weil sie seelisch erkrankt sind oder schon vor der Geburt durch Alkohol geschädigt wurden. Und er nennt Geflüchtete „oder Menschen, denen am Ende des Geldes noch sehr viel Monat bleibt“, die ihm am Herzen liegen und denen er in all seinen Diensten begegnete, „gerade auch in vermeintlich heilen Welten“.
Als besonders bereichernd bleibt ihm im Rückblick auch seine Zeit in Scheuern in Erinnerung, wo er nun verabschiedet wird. Wie die Menschen dort ihre Persönlichkeit ausdrücken, „unverstellter und spontaner als anderswo“, sei beeindruckend. „Und ich habe dort Gottesdienste gefeiert, wie ich sie zuvor noch nie erlebt hatte.“ Ein solcher dürfte ihm nun auch an Pfingstmontag mit vielen Weggefährten bevorstehen. Bernd-Christoph Matern
Der Abschiedsgottesdienst im Versammlungsraum der Stiftung Scheuern beginnt um 14 Uhr.
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Markus Fehlhaber wird am Pfingstmontag von der Pröpstin für Nordnassau Sabine Bertram-Schäfer aus dem aktiven Dienst als Pfarrer verabschiedet. Foto: Peter Bongard
