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Pflegebedürftige brauchen persönliche Ansprechpartner

Kirchliche Sozialstation Diez und Diakoniestation Loreley-Nastätten berichten von hoher Nachfrage nach Beratungsbesuchen

DIEZ/NASTÄTTEN/RHEIN-LAHN. (7. Oktober 2026) Pflegeberatung wird gebraucht und im Rhein-Lahn-Kreis auch genutzt. Diese Erfahrung machen die Kirchliche Sozialstation Diez und die Diakoniestation Loreley-Nastätten in ihrer täglichen Arbeit. Während im Sommer öffentlich über eine geringe Inanspruchnahme von Pflegeberatung diskutiert wurde, zeigen die Zahlen der beiden evangelischen Träger ein anderes Bild: Die Kirchliche Sozialstation Diez hat inzwischen ihre 1.000. Klientin im Bereich der Pflegeberatung begrüßt. Die Diakoniestation Loreley-Nastätten absolviert jährlich rund 750 Beratungsbesuche.

Die Beratungsbesuche nach dem Sozialgesetzbuch dienen unter anderem dazu, die Qualität der häuslichen Pflege zu sichern und Pflegebedürftige sowie ihre Angehörigen fachlich zu unterstützen. Bei Pflegegeldbezug der Pflegegrade 2 bis 5 ist grundsätzlich halbjährlich ein solcher Beratungsbesuch vorgesehen, den zugelassene Pflegedienste übernehmen können. „Wir erleben jeden Tag, dass Menschen Beratung und Orientierung benötigen“, sagt Eva Reichwein, Geschäftsführerin der Kirchlichen Sozialstation Diez. „Gerade wenn sich die persönliche Situation plötzlich verändert, ist es für Pflegebedürftige und Angehörige wichtig, einen kompetenten Ansprechpartner zu haben, der die individuelle Situation kennt.“

Die Kirchliche Sozialstation Diez versorgt derzeit täglich rund 520 Klientinnen und Klienten zwischen Eppenrod im Norden und Rettert im Süden des Gebiets. Hinzu kommen täglich 60 bis 80 ausgelieferte Mittagsmahlzeiten im Rahmen von „Essen auf Rädern“.

Wenn ein Sturz plötzlich alles verändert

Eine sich plötzlich verändernde Lebenssituation hat Elfriede Watzke erlebt. Nach einem Sturz ist sie dauerhaft weniger mobil als zuvor. Dank der Unterstützung ihrer beiden Söhne und ihrer Enkelin kann sie weiterhin zu Hause leben. Gleichzeitig musste die Familie nach dem Sturz und der anschließenden Behandlung zahlreiche organisatorische Fragen bewältigen.

Über ein Schreiben der Pflegekasse entstand zunächst die Erwartung, dass die Kasse selbst jemanden zur Beratung schickt. Stattdessen musste sich die Familie kurzfristig um einen Beratungsbesuch kümmern. Weil Frau Watzke die Kirchliche Sozialstation aus früheren Kontakten kannte und eine ehemalige Mitarbeiterin die Einrichtung empfohlen hatte, nahm ihr Sohn direkt Kontakt auf. Noch in derselben Woche konnte ein Termin vereinbart werden.

Die Beratung übernahm Pflegefachkraft Simone Maron, die über eine Weiterbildung zur Pflegeberaterin verfügt. Sie besprach mit Frau Watzke und ihrer Familie die persönliche Versorgungssituation und mögliche Unterstützungsangebote.

„Gerade in einer solchen Situation können die vielen notwendigen Entscheidungen schnell überfordern“, weiß Reichwein. „Deshalb ist Vertrauen ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Unser Ziel ist immer, gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen zu finden, damit sie möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können.“

Die Sozialstation setzt dabei auch auf Kontinuität. Der nächste Beratungsbesuch wird möglichst am Ende des aktuellen Termins vereinbart. Auf Wunsch kann jedes zweite Beratungsgespräch auch per Videokonferenz erfolgen.

Rund 750 Beratungsbesuche in Nastätten und der Loreley

Auch bei der Diakoniestation Loreley-Nastätten gehört die Pflegeberatung fest zum ambulanten Angebot. Rund 360 Klientinnen und Klienten werden derzeit in der Verbandsgemeinde Nastätten und dem Gebiet der ehemaligen Verbandsgemeinde Loreley versorgt. Das Angebot umfasst unter anderem körperbezogene Pflegemaßnahmen, Behandlungspflege, Hilfen bei der Haushaltsführung, Verhinderungspflege und Entlastungsleistungen.

Hinzu kommen jährlich rund 750 Beratungsbesuche nach dem Sozialgesetzbuch, die von den entsprechend ausgebildeten Pflegeberaterinnen der Diakoniestation an fünf Tagen in der Woche gemacht werden. „Die Nachfrage nach unseren Beratungsbesuchen ist kontinuierlich hoch“, berichtet Sonja Schmidt, Leiterin der Diakoniestation. „Für die Menschen macht es einen Unterschied, ob ihnen eine vertraute Pflegefachkraft gegenübersitzt, die ihre Lebenssituation bereits kennt, oder ob sie ihre Situation einer bislang unbekannten Person von Grund auf erklären müssen.“

Wie wichtig diese Vertrautheit sein kann, zeigt die Rückmeldung eines langjährigen Klienten. Ernst Stumpf wird seit rund zehn Jahren von der Einrichtung begleitet. Seine Bezugspflegefachkraft kennt seine persönliche Situation. „Ich kenne die Mitarbeitenden seit vielen Jahren und vertraue ihnen“, sagt Stumpf. „Wenn ich Fragen oder Probleme habe, kann ich mich an sie wenden. Auch meine Tochter kann dort jederzeit anrufen oder persönlich hingehen, wenn sie Beratung zu meiner Versorgung braucht.“ Eine Beratung durch eine externe Stelle würde er deshalb als deutliche Veränderung empfinden. „Die Person von der Pflegekasse würde mich und meine Situation ja gar nicht kennen. Mir würde das Vertrauen fehlen“, sagt er.

Die Qualität der bisherigen Beratung bewertet Stumpf mit fünf von fünf Punkten. Für ihn ist dabei nicht nur die fachliche Unterstützung entscheidend, sondern auch die persönliche Beziehung: „Es wird sich um mich gekümmert und ich habe vollstes Vertrauen zu meinem Pflegedienst.“

Persönliche Nähe bleibt für viele entscheidend

Für die beiden Einrichtungen ist die Pflegeberatung deshalb ein wichtiger Bestandteil der ambulanten Versorgung. Sie kann dabei helfen, Versorgungslücken frühzeitig zu erkennen, Angehörige zu entlasten und bestehende Unterstützungsmöglichkeiten sinnvoll miteinander zu verbinden. Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass die Beratung unter anderem Hinweise auf weitere Beratungs-, Unterstützungs- und Hilfsangebote geben soll.

„Pflegeberatung ist keine reine Formalität“, betont Sonja Schmidt. „Sie bietet die Möglichkeit, gemeinsam mit den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zu schauen: Was funktioniert gut, wo gibt es Schwierigkeiten und was wird möglicherweise zusätzlich benötigt?“ Eva Reichwein ergänzt: „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Menschen diese Unterstützung annehmen. Entscheidend ist, dass Beratung niedrigschwellig, fachlich kompetent und möglichst nah an den Menschen stattfindet.“

Ernst Stumpf verbindet damit auch einen Wunsch an die Gesellschaft: „Es liegt mir am Herzen, dass die Öffentlichkeit diesen Beruf mehr wertschätzt und anerkennt.“ Bernd-Christoph Matern

Zum Foto:

Vertrauen spielt in der Pflegeberatung eine große Rolle. Das ist die Erfahrung der Kirchlichen Sozialstation Diez und die der Diakoniestation Nastätten-Loreley, die jährlich mehrere hundert Beratungsgespräche führt. Foto: © becrima